Großvater und Enkelkind ziehen in einem bunten Berggarten eine krumme Karotte aus der Erde

Nachhaltige Landwirtschaft: Wie Großeltern sie mit ihren Enkeln unterstützen können

Ein Bauer in Südtirol zieht auf 3.000 Quadratmetern mehr als tausend Gemüse- und Kräutersorten – ohne Pflug, ohne Kunstdünger, fast ohne Maschinen. Was wie eine Spinnerei klingt, ist in Wahrheit ein Vorgriff auf die Landwirtschaft, die unsere Enkel brauchen werden. Und das Beste: Du musst nicht nach Südtirol fahren, um selbst Hand anzulegen. Zehn Wege, wie Großeltern nachhaltige Landwirtschaft unterstützen können – die meisten davon zusammen mit den Enkelkindern.

Ein Hof, auf dem nichts gerade ist

Harald Gasser hat keine landwirtschaftliche Ausbildung. Er war Sozialbetreuer, als er 1999 anfing, auf dem elterlichen Hof bei Barbian im Eisacktal Gemüse auszuprobieren – zunächst auf fünfzehn Quadratmetern, mit Samen alter Sorten, die er bei einem Saatgutverein bestellt hatte. Heute wachsen auf seinen Hängen in 800 Metern Höhe Rattenschwanz-Radieschen, Erdmandeln, Knollenziest, 33 Spinat- und 44 Tomatensorten, dazu Oca aus den Anden und winterharte Erdnüsse. Keine geraden Beete, kein gepflügtes Feld, dafür Laufenten gegen die Schnecken, Zebu-Rinder auf den steilen Wiesen und ein Boden, der nur sparsam mit altem Mist gedüngt wird. Die Karotten sind krumm und klein. Die Spitzenköche der Region reißen sich trotzdem darum, weil sie schmecken.

Der Journalist Titus Arnu hat Gasser für die Süddeutsche Zeitung besucht („Der Hof der tausend Gemüsesorten“). Ein Satz aus dem Gespräch bleibt hängen: „Ich bewirte das Land, damit es ihm gut geht.“ Das ist, auf einen Satz gebracht, die Idee der nachhaltigen Landwirtschaft. Nicht herausholen, was geht – sondern so wirtschaften, dass der Boden, die Insekten, das Wasser und die Sortenvielfalt in fünfzig Jahren noch da sind. Also dann, wenn unsere Enkel selbst Großeltern sind.

Gassers Hof ist ein Extremfall, ein Versuchsfeld. Aber die Grundsätze, nach denen er arbeitet, finden sich in jedem Biobetrieb, in jeder Solidarischen Landwirtschaft und auf jeder gepflegten Streuobstwiese bei Dir um die Ecke. Und überall dort fehlt etwas, das wir Großeltern reichlich haben: Zeit, ein wenig Geld, Erinnerung – und Enkel, denen wir etwas zeigen wollen.

Was nachhaltige Landwirtschaft eigentlich bedeutet

Der Begriff wird oft so benutzt, als wäre er mit „Bio“ gleichbedeutend. Bio ist ein Teil davon, aber nicht alles. Nachhaltig wirtschaftet ein Hof, wenn er sechs Dinge zugleich im Blick behält:

Den Boden. Fruchtbarer Boden entsteht in Jahrhunderten und verschwindet in Jahrzehnten, wenn er dauernd gepflügt, verdichtet und mit Kunstdünger gefüttert wird. Nachhaltige Höfe wechseln die Früchte, lassen Zwischenfrüchte wachsen, halten den Boden bedeckt und düngen mit dem, was der Hof selbst erzeugt.

Die Vielfalt. Nach Angaben der Welternährungsorganisation sind im 20. Jahrhundert rund drei Viertel der genetischen Vielfalt unserer Kulturpflanzen verloren gegangen. In Deutschland sind etwa 3.000 Apfelsorten bekannt – im Supermarkt liegen selten mehr als fünf. Wer alte Sorten anbaut, bewahrt Eigenschaften, die wir noch brauchen werden: Trockenheitsverträglichkeit, Widerstandskraft gegen Krankheiten, Geschmack.

Die Tiere – die auf dem Hof und die drumherum. Weidehaltung statt Stallhaltung, Rassen, die zum Gelände passen, und Lebensräume für Insekten, Vögel und Wild: Hecken, Blühstreifen, Streuobst, Feuchtstellen.

Das Wasser. Sparsame Bewässerung, kein Pestizid- und Nitrateintrag ins Grundwasser.

Das Klima. Weniger fossile Energie, weniger Kunstdünger (der sehr energieaufwendig hergestellt wird), kurze Wege, Humusaufbau, der Kohlenstoff im Boden bindet.

Die Menschen. Ein Hof ist nur dann nachhaltig, wenn die Familie davon leben kann und die nächste Generation ihn übernehmen will. Faire Preise gehören dazu.

Wie weit Deutschland davon entfernt ist, zeigen zwei Zahlen: Im Jahr 2024 wurden 11,2 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet; das Ziel der Bundesregierung lautet 30 Prozent bis 2030. Und von den Streuobstwiesen, einst prägend für jede Dorflandschaft, sind noch rund 300.000 Hektar übrig – ein Fünftel bis ein Drittel ist seit 1950 verschwunden, und der Naturschutzbund warnt, dass die Hälfte des Restes folgen könnte, wenn sich niemand kümmert.

Warum gerade Großeltern gefragt sind

Viele von uns haben die bäuerliche Welt noch selbst erlebt – auf dem Hof der Eltern, bei Verwandten, in den Sommerferien. Wir wissen, wie eine Kuh gemolken wird, wie Kartoffeln aus der Erde kommen und was man mit altem Brot macht. Unsere Enkel wissen das nicht mehr. Für viele Stadtkinder ist der Bauernhof ein Bilderbuch.

Dazu kommt: Wir haben, was junge Familien nicht haben. Zeit am Vormittag, wenn der Wochenmarkt ruhig ist. Ein Auto, mit dem man zum Hofladen fahren kann. Oft ein paar Euro im Monat, die bei den Kindern knapp sind. Und einen Garten oder zumindest einen Balkon.

Und wir haben die Enkel. Ein Kind, das mit sechs Jahren mit Oma Äpfel vom Baum geschüttelt und mit Opa Saft gepresst hat, kauft mit dreißig anders ein. Das ist keine Theorie – frag Dich selbst, woher Deine Gewohnheiten kommen.

Zehn Wege, nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen

1. Vom Hof kaufen – nicht vom Regal

Der einfachste Weg, und der mit der größten Wirkung: Kauf dort, wo das Geld beim Bauern bleibt. Im Hofladen, auf dem Wochenmarkt, beim Milchautomaten am Feldrand, im Abo einer Gemüsekiste. Bei einem Liter Milch im Supermarkt kommen beim Bauern wenige Cent an; am Hofautomaten ist es der ganze Preis.

Frag im Hofladen ruhig nach: Wo wachsen die Kartoffeln? Was bekommen die Hühner? Wer sich die Mühe macht, nachhaltig zu arbeiten, erzählt gern davon. Wer ausweicht, hat meist einen Grund.

Mit den Enkeln: Der Hofladen-Einkauf am Samstagvormittag ist ein Ritual, das Kinder lieben – vor allem, wenn sie selbst bezahlen dürfen und den Hühnern dabei zusehen können. Gib dem Enkel die Aufgabe, drei Dinge zu finden, die es im Supermarkt nicht gibt.

2. Einen Ernteanteil übernehmen

Bei einer Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) zahlen Mitglieder einen festen Monatsbeitrag und bekommen dafür jede Woche, was der Hof erntet. Der Bauer hat ein sicheres Einkommen, muss nicht auf den Marktpreis schielen und kann anbauen, was dem Boden guttut – nicht, was sich am besten lagert. Das Risiko einer schlechten Ernte teilen alle. In Deutschland gibt es inzwischen rund 550 solcher Betriebe und Gründungsinitiativen, die größten geben mehr als tausend Anteile aus.

Ein Ernteanteil kostet je nach Region und Größe meist zwischen 60 und 120 Euro im Monat. Für einen Zwei-Personen-Haushalt ist ein ganzer Anteil oft zu viel – viele SoLaWis bieten halbe Anteile an, oder Du teilst ihn mit der Familie Deiner Kinder. Das ist ohnehin die schönste Lösung: Die Enkel holen die Kiste bei Dir ab.

Mit den Enkeln: Die meisten SoLaWis haben Mitmach-Tage – Kartoffeln legen im Frühjahr, Zwiebeln ernten im Spätsommer. Kinder sind dort ausdrücklich willkommen, und es gibt keinen besseren Ort, um zu lernen, dass eine Möhre nicht im Supermarkt wächst.

3. Eine Patenschaft übernehmen: Baum, Huhn, Kuh oder Bienenvolk

Viele Höfe und Vereine bieten Patenschaften an: für einen Obstbaum auf der Streuobstwiese (meist 30 bis 80 Euro im Jahr, oft mit Ernterecht), für ein Huhn (mit Eiern), für eine Kuh, ein Schaf oder ein Bienenvolk (mit Honig). Das Geld hilft dem Hof, Tiere artgerecht zu halten oder alte Bäume zu pflegen, die sich sonst nicht rechnen.

Mit den Enkeln: Eine Baumpatenschaft ist das ideale Enkel-Geschenk, weil sie ein Jahr lang Anlässe schafft: die Blüte im April ansehen, im Sommer nach den Früchten schauen, im Oktober ernten. Das Kind bekommt die Urkunde, Du bezahlst. Frag bei Streuobst-Initiativen, Naturschutzgruppen und Obst- und Gartenbauvereinen in Deiner Nähe.

4. Alte Sorten anbauen – im Garten oder auf dem Balkon

Gasser hat mit Saatgut aus einem Verein angefangen. Das kannst Du auch. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) in Deutschland und Arche Noah in Österreich vermitteln Saatgut alter Sorten – Tomaten, Bohnen, Salate, Kohl –, die es im Handel nicht gibt. Wer eine Sorte anbaut, Samen gewinnt und weitergibt, hält sie am Leben. Im Februar und März finden in vielen Städten Saatgut-Tauschbörsen und Saatgutfestivals statt.

Du brauchst dafür keinen Bauernhof. Drei Töpfe mit alten Tomatensorten auf dem Balkon reichen, um einem Kind den Unterschied zu zeigen: Die eine ist gelb und birnenförmig, die andere schwarz und süß, die dritte sieht aus wie ein Ochsenherz.

Mit den Enkeln: Samen vorziehen auf der Fensterbank im März, auspflanzen nach den Eisheiligen, im August verkosten – und im September Samen aus der reifsten Frucht gewinnen, trocknen, in ein Tütchen stecken und mit Namen und Jahr beschriften. Das Tütchen bekommt das Enkelkind fürs nächste Jahr. So entsteht eine Familiensorte.

5. Eine Streuobstwiese retten

Streuobstwiesen sind mit mehreren tausend Tier- und Pflanzenarten der artenreichste Lebensraum, den wir in Mitteleuropa haben – und sie verschwinden, weil die Pflege Arbeit macht und ein Zentner Mostäpfel kaum etwas einbringt. Hier kannst Du viel bewirken: beim Naturschutzbund, bei Landschaftspflegeverbänden oder Streuobstinitiativen mithelfen beim Schneiden, Mähen und Ernten; Saft aus zertifiziertem Streuobst kaufen (er kostet mehr, und genau das ist der Punkt); oder, wenn Du ein Grundstück hast, selbst einen Hochstamm einer alten Sorte pflanzen.

Mit den Enkeln: Die Apfelernte im Oktober mit anschließendem Saftpressen – in vielen Regionen gibt es mobile Saftpressen oder Keltereien, die Dein eigenes Obst verarbeiten – ist für Kinder das Fest des Jahres. Ein Kind, das zwei Stunden Äpfel aufgelesen hat, trinkt den Saft anders.

6. Krummes kaufen, nichts wegwerfen

In Deutschland landen jedes Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, mehr als die Hälfte davon in privaten Haushalten. Ein Teil wird schon auf dem Feld aussortiert, weil die Möhre zu krumm oder der Apfel zu klein für die Handelsnorm ist. Gassers angefressene Karotten sind die besten, sagen seine Köche. Kauf die zweite Wahl im Hofladen, kauf Obst in der Kiste statt in der Schale – und koch so, wie unsere Mütter gekocht haben: aus dem, was da ist.

Mit den Enkeln: Ein „Reste-Kochtag“ in den Ferien, bei dem die Kinder entscheiden, was aus dem wird, was im Kühlschrank liegt. Und eine Regel, die Kinder sofort verstehen: Eine krumme Möhre schmeckt genauso wie eine gerade.

7. Auf den Hof fahren – als Gast, nicht als Kunde

Ferien auf dem Bauernhof sind nicht nur für die Kinder schön, sie sind für viele kleine Höfe das zweite Standbein, das den Betrieb am Leben hält. Such Höfe, die ökologisch wirtschaften und die Gäste mitarbeiten lassen. Daneben gibt es in fast jedem Landkreis „Lernort Bauernhof“-Betriebe, die Hofführungen und Mitmachtage für Kinder anbieten, Tage der offenen Hoftür, Hoffeste und Erntedankfeiern.

Mit den Enkeln: Eine Woche Bauernhof-Urlaub mit Oma und Opa ist für Sechs- bis Zehnjährige das, was früher die Sommerferien bei den Großeltern auf dem Land waren. Frag bei der Buchung, ob die Kinder beim Füttern und Melken dabei sein dürfen. Wo das selbstverständlich ist, ist der Hof meistens der richtige.

8. Weniger Fleisch – und wenn, dann von der Weide

Das ist der Punkt, an dem nachhaltige Landwirtschaft am meisten vom Einkaufszettel abhängt. Tiere, die auf der Weide stehen, pflegen Grünland, das sonst niemand nutzen könnte, und halten Wiesen offen, die für Insekten und Vögel wichtig sind. Tiere, die im Stall mit importiertem Soja gefüttert werden, tun das nicht. Wer seltener Fleisch isst und dafür Weidefleisch vom Hof oder vom Metzger kauft, der die Herkunft kennt, gibt pro Mahlzeit nicht mehr aus – und unterstützt genau die Betriebe, die es schwer haben.

Mit den Enkeln: Der Sonntagsbraten als bewusstes Ereignis statt der Wurst jeden Tag. Erzähl den Enkeln, wie es früher war: Fleisch gab es einmal die Woche, und es war etwas Besonderes.

9. Geld dorthin lenken, wo der Boden ist

Wer etwas Erspartes hat, kann es auch in die Landwirtschaft lenken, die er sich wünscht: Regionalwert-Gesellschaften, Genossenschaften, die Höfe kaufen und an junge Biobauern verpachten, Bürgerbeteiligungen an SoLaWis oder Hofläden. Solche Beteiligungen sind keine Geldanlage im klassischen Sinn – die Rendite ist oft gering oder besteht aus Naturalien –, und sie sind mit Risiko verbunden. Lies die Bedingungen genau, leg nur an, was Du entbehren kannst, und hol Dir im Zweifel unabhängigen Rat. Aber für viele Großeltern ist das genau der Punkt: Das Geld soll nicht irgendwo arbeiten, sondern auf einem Acker, den die Enkel besuchen können.

10. Mitreden – in der Kita, in der Gemeinde, am Küchentisch

Frag in der Kita und in der Schule der Enkel, woher das Mittagessen kommt. Frag im Gemeinderat, ob die gemeindeeigenen Flächen an Biobetriebe verpachtet werden. Unterstütz den Wochenmarkt, indem Du hingehst, auch wenn es regnet. Erzähl Deinen Kindern, warum Du im Hofladen kaufst – ohne zu predigen. Großeltern haben in diesen Fragen mehr Gewicht, als sie denken: Wer mit siebzig im Gemeinderat nach der Verpachtung fragt, wird gehört.

Die zehn Wege auf einen Blick

WegWas es kostetWas es an Zeit brauchtAb welchem Alter mit Enkeln
Hofladen und Wochenmarktetwas mehr als im Supermarkteinmal die Wocheab 3 Jahren
Ernteanteil (SoLaWi)60–120 € im Monat, halbe Anteile möglichwöchentliche Abholung, Mitmachtage freiwilligab 4 Jahren
Patenschaft (Baum, Huhn, Kuh, Bienen)30–150 € im Jahrzwei bis vier Besuche im Jahrab 3 Jahren
Alte Sorten anbauenwenige Euro für SaatgutMärz bis September, Balkon reichtab 4 Jahren
Streuobstwiese pflegennichts – oder ein Baum ab 30 €Pflegeeinsätze im Winter, Ernte im Herbstab 5 Jahren
Krummes kaufen, Reste kochenspart Geldkeine zusätzlicheab 3 Jahren
Bauernhof-Urlaub, Lernort Bauernhofwie ein normaler Urlaubeine Woche – oder ein Nachmittagab 4 Jahren
Weniger, besseres Fleischpro Mahlzeit etwa gleichkeine zusätzlichejedes Alter
Beteiligung an Hof oder Genossenschaftab etwa 500 €, mit Risikoeinmalig, dann Mitgliederversammlung–
Mitreden in Kita, Gemeinde, Familienichtsein Gespräch nach dem anderen–

Was die Enkel davon haben

Alles, was hier steht, nützt zuerst dem Boden, den Bauern und den Bienen. Aber es nützt auch den Kindern, und zwar mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Kinder, die wissen, wie Essen entsteht, essen vielfältiger – das Kind, das die Möhre selbst gezogen hat, isst sie auch. Sie lernen Geduld: Zwischen dem Samen im März und der Tomate im August liegen fünf Monate, und keine Taste beschleunigt das. Sie lernen, dass Dinge nicht perfekt sein müssen, um gut zu sein – die krumme Karotte wieder. Und sie erleben Großeltern, die nicht nur reden, sondern tun. Das, hat Harald Gasser mit Blick auf seine eigenen Söhne gesagt, ist der entscheidende Punkt: Die Freude muss im Vordergrund stehen. Wer Kinder zur Gartenarbeit verpflichtet, verliert sie. Wer sie mitnimmt, wenn es schön ist, behält sie.

Das Hofjahr mit Enkeln – ein kleiner Kalender

Februar/März: Saatgut-Tauschbörse besuchen, Samen vorziehen auf der Fensterbank. Obstbaumschnitt auf der Streuobstwiese – Kinder sammeln die Zweige.
April/Mai: Obstblüte ansehen, Patenbaum besuchen. Kartoffeln legen beim Mitmachtag der SoLaWi. Nach den Eisheiligen auspflanzen.
Juni/Juli: Erdbeeren und Kirschen selbst pflücken. Heuernte auf dem Hof – fragen, ob die Enkel zusehen dürfen.
August/September: Tomaten verkosten, Samen gewinnen. Erntedank auf dem Hof. Zwiebeln und Kartoffeln ernten.
Oktober: Apfelernte und Saftpressen. Hofläden haben jetzt die größte Auswahl.
November–Januar: Reste-Kochtage, Wintergemüse kennenlernen (Grünkohl, Pastinake, Schwarzwurzel, Topinambur), Hochstamm pflanzen, das nächste Jahr planen.

Häufige Fragen

Ist Bio dasselbe wie nachhaltig?

Nicht ganz. Bio ist eine gesetzlich geregelte Anbauweise (keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, kein Kunstdünger, bestimmte Tierhaltungsregeln). Nachhaltigkeit umfasst mehr: Sortenvielfalt, Bodenaufbau, kurze Wege, faire Preise, Hofnachfolge. Ein Biobetrieb, der Tomaten im beheizten Gewächshaus zieht und tausend Kilometer transportiert, ist nicht automatisch nachhaltig. Ein Hof ohne Siegel, der wie Gasser arbeitet, kann es sehr wohl sein. Frag nach, schau hin.

Ist Essen vom Hof nicht viel teurer?

Einzelne Produkte ja, der Wocheneinkauf meist nicht. Wer saisonal kauft, weniger Fleisch isst und nichts wegwirft, gibt in der Regel nicht mehr aus als vorher. Schätzungen zufolge wirft jeder Haushalt im Jahr Lebensmittel im Wert von mehreren hundert Euro weg – das ist der Spielraum.

Was ist der Unterschied zwischen Hofladen, Gemüsekiste und SoLaWi?

Im Hofladen kaufst Du, was Du willst, wann Du willst. Die Gemüsekiste ist ein Abo, das Du jederzeit kündigen kannst. Bei der SoLaWi verpflichtest Du Dich für ein Jahr und teilst das Ernterisiko – dafür ist die Bindung an den Hof am engsten und die Wirkung am größten.

Ich habe keinen Garten. Was geht trotzdem?

Fast alles. Alte Tomatensorten wachsen im Topf auf dem Balkon, Patenschaften brauchen kein eigenes Land, der Hofladen hat jeder in Reichweite, und Streuobst-Einsätze finden auf fremden Wiesen statt. In vielen Städten gibt es außerdem Gemeinschaftsgärten und Mietbeete, die man für eine Saison übernehmen kann.

Ab welchem Alter kann ich Enkel mitnehmen?

Auf den Wochenmarkt und zu den Hühnern ab drei. Zum Säen und Ernten ab vier. Zum Saftpressen und zur Streuobstpflege ab fünf, sechs. Nach oben ist keine Grenze – ein Dreizehnjähriger, der zwei Stunden Äpfel aufliest, wird darüber zwar stöhnen, aber er wird es nicht vergessen.

Wo finde ich Höfe, SoLaWis und Patenschaften in meiner Nähe?

Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft hat eine Karte aller Mitgliedsbetriebe. Hofläden und Wochenmärkte findest Du über die Landwirtschaftskammer oder den Bauernverband Deines Bundeslands und über regionale Hofladen-Verzeichnisse. Baum- und Tierpatenschaften bieten Naturschutzgruppen, Streuobstinitiativen und Höfe direkt an – eine Suche nach „Baumpatenschaft“ und Deinem Landkreis führt meist schnell zum Ziel.

Quellen und weiterführende Links

Titus Arnu: „Der Hof der tausend Gemüsesorten“, Süddeutsche Zeitung (Reportage über Harald Gasser und den Aspingerhof, Barbian/Südtirol). Ein Porträt des Hofs findest Du auch auf suedtirol.info.
Umweltbundesamt: Ökologischer Landbau – 11,2 Prozent Ökofläche 2024, Ziel 30 Prozent bis 2030.
Bundesinformationszentrum Genetische Ressourcen (BLE): Faltblatt Sortenvielfalt – 75 Prozent Verlust genetischer Vielfalt, 3.000 Apfelsorten in Deutschland.
Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, zitiert im Kritischen Agrarbericht 2025 – rund 550 SoLaWis.
NABU und Utopia zu Streuobstwiesen – rund 300.000 Hektar, Rückgang 20 bis 30 Prozent seit 1950.
Thünen-Institut: Lebensmittelabfälle in Deutschland (rund 11 Millionen Tonnen jährlich).
Saatgut alter Sorten: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (nutzpflanzenvielfalt.de), Arche Noah (arche-noah.at). Hofbesuche: Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (baglob.de).

Zuletzt überprüft am 18. Oktober 2026.

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